Nachruf des DGF-Präsidenten H.P. Kaufmann (1939)
auf W. Normann

[19.12.2011]

veröffentlicht in der DGF-Zeitschrift "Fette und Seifen", 46, S. 259-264 (1939)

Am 1. 5.1939 schloß Deutschlands bekanntester Fettforscher, Dr. Wilhelm Normann, die Augen für immer. Mit ihm ist ein Chemiker von uns gegangen, über dessen Geschick als Erfinder und Forscher eine tiefe Tragik waltete. Die Fetthärtung war eine technische Großtat, wie sie die gesamte Chemie in Jahrzehnten nur einmal aufzuweisen hat. Sie warf der beteiligten Industrie Millionengewinne in den Schoß, aber ihr Schöpfer mußte zeitweise mit wirtschaftlichen Sorgen kämpfen. Und auch die wissenschaftliche Anerkennung seiner Leistungen ist ihm nicht in dem Maße zuteil geworden, wie er es verdient hätte.

Zwar ehrte ihn der Verein Deutscher Chemiker 1922 durch Verleihung der Liebig-Gedenkmünze, und befreundete Fachgenossen setzten sich voll und ganz für den Erfinder Normann ein1). Ich erinnere mich auch noch der spontanen Huldigung, die ihm die rund 1000 Besucher der 1. Hauptversammlung der DGF 1937 in Berlin darbrachten, als ich bei der Eröffnungsansprache der Freude Ausdruck gab, ihn so frisch unter uns zu sehen. Aber von amtlicher Seite blieb die Anerkennung eines Mannes, dessen Leistungen früher eines Nobelpreises würdig gewesen wären, leider aus. Die diesjährige, mit der X. Sitzung der Internationalen Kommission zum Studium der Fettstoffe verbundene Hauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für Fettforschung sollte das Versäumte nachholen.

Die DGF beabsichtigte, in öffentlicher Sitzung die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft zu überreichen, die sie Normann als erstem Chemiker jüngst verliehen hat. Darüber hinaus war der Verstorbene für die höchste Ehre in Aussicht genommen worden, die von deutschen Hochschulen vergeben werden kann. Die Universität Münster, seit E. König und A. Bömer mit der Fettforschung eng verbunden, zugleich die Landesuniversität Westfalens, hatte dem Sohn ihrer engeren Heimat die Würde eines Ehrendoktors der Naturwissenschaften zugedacht. Der bereits im Februar ds. Js. eingereichte Antrag fand die verständnisvolle Billigung von Fakultät und Senat, und an der ministeriellen Genehmigung war nicht zu zweifeln. Aber ein unbarmherziges Geschick warf W. Normann auf das Krankenlager und ließ ihn diese Ehrungen in offizieller Form nicht mehr erleben.

Es ist uns ein, wenn auch schwacher Trost, daß die Nachricht der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der DGF und des Dr. h. c. der Universität Münster für ihn eine letzte Freude war und ihm zugleich den Beweis erbrachte, daß die deutsche Wissenschaft und zahlreiche Freunde seiner in Verehrung und Dankbarkeit gedachten. Solchen Empfindungen auch an dieser Stelle in einem Nachruf Ausdruck zu verleihen und des Verewigten als Forscher und Menschen zu gedenken, ist mir Ehrenpflicht.

Am 16. 1. 1870 wurde Wilhelm Normann in Petershagen in Westfalen als Sohn des Rektors Julius Normann geboren, der eine sehr umfangreiche Chronik der Stadt Herford geschrieben und sich durch die Übersetzung eines, auf den Gesetzen des Sachsenspiegels fußenden und in mittelniederdeutscher Sprache geschriebenen Herforder Rechtsbuches verdient gemacht hat. Seine Arbeiten weisen den gleichen Fleiß und die gleiche liebevolle Vertiefung in die Sache auf, wie wir sie später bei dem Sohn beobachten können. Fantasie und Neigung zum Experimentieren stammen aber wohl von der klugen Mutter, Luise Siveke, deren Geschlecht schon 1617 in Herford ansässig war und großes Ansehen genoß.

In Herford besuchte der junge Normann das Friedrich-Gymnasium und trat 1888 mit der Primareife in die einem Verwandten gehörende Herforder Maschinenfett- und Ölfabrik Leprince und Siveke ein. Seine Neigung zur Wissenschaft zog ihn aber bereits 1890 zu systematischem Studium der Chemie nach dem Laboratorium Fresenius in Wiesbaden. "Die Fortschritte des Herrn Normann waren sehr gut", bezeugte 1891 sein Lehrer Prof. Fresenius. In den folgenden Jahren sehen wir Normann wieder in dem Herforder Betrieb, der insbesondere konsistente Maschinenfette herstellte, tätig, zwischendurch aber Kurse der damaligen "Königl. Mechan.-techn. Versuchsanstalt" in Charlottenburg, und zwar in der "Abteilung Öl-Prüfung" von D. Holde besuchen.

Von 1895-1900 bezog Normann die Universität Freiburg, wo er bei Claus und Meigen Chemie studierte. Nebenher galt sein besonderes Interesse der Geologie, die damals Steinmann lehrte. Mit einer unter Leitung von Claus durchgeführten Dissertation promovierte Normann im Jahre 1900. Seine Zulassung zur Doktorprüfung ohne Abiturientenexamen beweist die Wertschätzung und wissenschaftliche Anerkennung, deren er sich erfreute.

Anschließend kehrte er wieder in die Herforder Fabrik zurück, wo ihm 1901 die Erfindung der Fetthärtung gelang. Mit dieser ist sein ferneres Geschick aufs engste verbunden. Sie führte ihn nach England, dann zurück nach Deutschland in die Ölwerke Germania G.m.b.H., Emmerich, deren wissenschaftlicher Leiter er 1911-1922 war. Während der Kriegs- und Inflationsjahre verlor er, der sein gesamtes Vermögen in Kriegsanleihe angelegt hatte, den bescheidenen Gewinn seiner Erfindung. Dann sehen wir ihn bis 1926 als Berater für ausländische Fetthärtungsanlagen wieder in Herford; zugleich war er technischer Leiter der in eine Aktiengesellschaft umgewandelten heimatlichen Fabrik. In gleicher Eigenschaft wirkte er 1927-1929 bei der Soc. anonyme d'Huiles, Graisses et Produits Africains ("Sapa") in Antwerpen, bis sich ihm im Jahre 1929 bei der H. Th. Böhme A.-G., der jetzigen Böhme-Fettchemie G.m.b.H., Chemnitz, deren Leitung Normann menschlich und beruflich ein dankenswertes Verständnis entgegenbrachte, ein ersprießliches Wirkungsfeld erschloß. Am 31. 12. 1938 trat er in den wohlverdienten Ruhestand, dessen er sich aber leider nicht lange erfreuen durfte.

Das unvergängliche Lebenswerk Normanns ist die Erfindung der Fetthärtung. Die Beschäftigung mit konsistenten Maschinenfetten führte Normann schon früh zu dem Problem der Überführung flüssiger Fette und Fettsäuren in solche höherer Schmelzpunkte. Diese, ursprünglich mit der Stearingewinnung für die Kerzenindustrie verknüpfte Aufgabe, von verschiedenen Seiten her angegriffen, harrte einer endgültigen Lösung. Nur ein einfaches und wirtschaftliches Verfahren konnte auf Erfolg hoffen. Daß es sich im wesentlichen um die Anlagerung von Wasserstoff an die mehrfachen Bindungen der Fettsäuren handeln mußte, lag auf der Hand. Hier hatte die Katalyse bereits auf anderen Gebieten der organischen Chemie den Weg gewiesen.

Sabatier und Senderens gelang es, die Dämpfe organischer Verbindungen bei Gegenwart von Nickel mit Wasserstoff zu hydrieren. Es liegt mir fern, die Verdienste der französischen Forscher schmälern zu wollen - aber von ihren Versuchen bis zur Fetthärtung war noch ein weiter Weg! Dies zeigt schon allein die Tatsache, daß Glyceride wegen ihrer Nichtflüchtigkeit nach Sabatier nicht zu hydrieren sind, ja die Fetthärtung mußte in der von Normann erfundenen Weise nach den Auffassungen der französischen Forscher als unmöglich erscheinen, da letztere eine Aufhebung der Wirkung der Katalysatoren bei Benetzung mit Flüssigkeiten annahmen. Normanns Erfindung ist also durchaus neu und eigenartig. Das Eintragen des in besonderer Weise hergestellten Katalysators in das erwärmte flüssige Fett und die innige Vermischung mit eingerührtem Wasserstoff ermöglichten die technische Fetthärtung. Das Dreiphasensystem: flüssiges Fett - fester Katalysator - gasförmiger Wasserstoff ist Normanns alleiniges und unbestreitbares Erfindungsgut. Es berechtigt uns, ganz abgesehen von der zu jener Zeit nicht einfachen, unter seiner Mitwirkung zustandegekommenen technischen Durchbildung des Verfahrens, die Fetthärtung als deutsche Erfindung in Anspruch zu nehmen.

Die grundlegenden Versuche der Hydrierung von Ölsäure und Rüböl führte Normann im Jahre 1901 aus. Er hat sie 1937 in einem Vortrag2) selbst geschildert: "Ich stellte mir durch Erhitzen von Nickelnitrat nach Sabatiers Vorgang Nickeloxyd her und reduzierte dieses in einem Glasrohr im Wasserstoffstrom zu einem feinen Pulver. Letzteres erwies sich als pyrophorisch und geriet ins Glühen, wenn es an die Luft kam. Ich brachte nun einige Kubikzentimeter reine Ölsäure in ein Reagenzglas, fügte frisch reduziertes Nickel hinzu und leitete unter Erhitzung im Ölbad auf 160 Grad aus einem Kippschen Apparat Wasserstoff in kräftigem Strom hindurch.

Gleich der erste Versuch gelang. Am Erstarren eines mit einem Glasstab herausgenommenen Pröbchens ließ sich die Umwandlung erkennen. Die angewandte Ölsäure war praktisch vollständig in Stearinsäure umgewandelt worden. Nach meinen Notizen war dies am 27. Februar 1901, der somit der eigentliche Geburtstag der Fetthärtung ist. Diese allererste durch Härtung erzeugte Stearinsäure steht heute im Präparatenschrank des Deutschen Museums in München". Daß Normann die große praktische Bedeutung des Verfahrens sofort erkannte, geht aus dem grundlegenden, im folgenden Jahr angemeldeten DRP 141029 hervor. In dessen Beschreibung heißt es: "Gibt man feines Nickelpulver, durch Reduktion im Wasserstoffstrom erhalten, zu chemisch reiner Ölsäure, erwärmt im Ölbad und leitet einen kräftigen Strom von Wasserstoffgas längere Zeit hindurch, so wird die Ölsäure bei genügend langer Einwirkung vollständig in Stearinsäure übergeführt. Die Menge des zugesetzten Nickels und die Höhe der Temperatur sind unwesentlich und beeinflussen höchstens die Dauer des Prozesses. Die Reaktion verläuft, abgesehen von der Bildung geringer Mengen Nickelseife, die sich mit verdünnten Mineralsäuren leicht zerlegen läßt, ohne Nebenreaktion. Dasselbe Nickel kann wiederholt gebraucht werden. Ebenso wie die freien Fettsäuren verhalten sich auch deren in der Natur vorkommende Glyceride, die Fette und Öle. Aus Olivenöl entsteht nach dem beschriebenen Verfahren eine harte, talgartige Masse, ebenso aus Leinöl und Tran. Es lassen sich also auf dem beschriebenen Wege alle Arten von ungesättigten Fettsäuren und deren Glyceride hydrogenisieren.

Dieses Patent erschloß ein gewaltiges Arbeitsgebiet. Organische Verbindungen verschiedenster Art konnte man nun in einfacher Weise hydrieren, und tatsächlich bauten sich in der Folgezeit zahlreiche Verfahren auf dieser Art der Katalyse auf, von denen nur die T etralin- und Dekalin-Herstellung genannt seien. Auf dem Fettgebiet eröffnete sich die Möglichkeit, die überwiegend in flüssiger Form vorhandenen Fette des Tier- und Pflanzenreiches in solche fester oder streichfähiger Beschaffenheit umzuwandeln, sie so der Ernährung oder der technischen Verwendung zuzuführen und sie gleichzeitig beständiger und lagerfähig zu machen. Der Weg vom Laboratorium zum Großbetrieb war aber noch weit. Heute erscheint uns die Fetthärtung als ein technisch verhältnismäßig leicht durchführbares Verfahren. Versetzen wir uns aber einmal in die Zeit der Jahrhundertwende zurück, so wird uns der dornenvolle Weg, den Normann gehen mußte, verständlich. Vor allem fehlte es an der großtechnischen Herstellung von Wasserstoff.

Das Messerschmitt-Verfahren oder die Herstellung von Elektrolyt-Wasserstoff in großtechnischem Ausmaß gab es noch nicht. So war Normann genötigt, sich auch mit der Gewinnung von Wasserstoff zu befassen. Weiter mußten die Schwierigkeiten der Darstellung geeigneter Katalysatoren in großem Ausmaß, ihrer Filtration und häufigen Wiederverwendung gelöst werden. Auch die Apparaturfrage bot einige Schwierigkeiten. Ohne Mitarbeiter, mit den bescheidensten Hilfsmitteln hat Normann die kleintechnische Lösung erfolgreich durchgeführt und später die Großherstellung richtunggebend beeinflußt. Wir verdanken ihm eine kurze Schilderung der Entwicklung der Fetthärtung und ihrer Geschichte, zu der sich der bescheidene Erfinder aber erst nach wiederholtem Drängen bereit fand3).

Daß die mit verhältnismäßig geringen Mitteln arbeitende kleine Fabrik von Leprince und Siveke das Wagnis der technischen Ausarbeitung der Fetthärtung nicht übernahm, ist vielleicht verständlich. Leider lehnte aber auch eine führende deutsche Fabrik, E. de Haen in Seelze-Hannover, das Verfahren ab, da der Katalysator nach jedesmaligem Gebrauch an Wirkung verlor. Niemand kann es daher Normann verübeln, wenn er nunmehr mit ausländischen Firmen in Beziehung trat. So ging die Fetthärtung nach England, um von dort später nach Deutschland zurückzukehren. Die englische Firma Jos. Crosfields & Sons Ltd. in Warrington erkannte die große Bedeutung der Normannschen Erfindung. Ihre Verdienste um die großtechnische Durchführung der Fetthärtung müssen anerkannt werden. Durch die Patentschrift auf das Verfahren aufmerksam geworden, richtete sie eine Anfrage an die Firma Leprince und Siveke, unter deren Namen das deutsche Patent genommen worden war. Normann stellte ein Muster gehärteten Fettes zur Verfügung.

Daraufhin schickte die englische Fabrik ihren Chemiker E. C. Kayser nach Herford, schloß einen Lizenzvertrag mit Normann und lud ihn, als die Versuche von Kayser fehlschlugen, nach England ein, um dort in Gemeinschaft mit letzterem das Verfahren technisch auszubauen. Die erste große Versuchsanlage wurde mit einer Nutzfüllung von 1t erstellt, wobei ein liegender Härtekessel zur Anwendung kam. Wasserstoff entwickelte man auf Normanns Veranlassung aus glühenden Eisenspänen und Wasser in liegenden Eisenretorten. Der Katalysator wurde, einer Anregung des sich für die technische Durchführung des Normannschen Verfahrens trotz aller Zweifel - der angesehene englische Fettchemiker Lewkowitsch bezeichnete noch 1906 die Fetthärtung als praktisch undurchführbar! - unbeirrt einsetzenden Leiters der englischen Firma, des Dr. Markel (eines geborenen Deutschen), entsprechend, auf Kieselgur niedergeschlagen, ein Versuch, den Normann bereits vorher gemacht hatte, der aber infolge der mangelhaften Beschaffenheit des zur Verfügung stehenden Trägers fehlschlug.

Die Verwendung von Nickel-Kieselgur erfolgte anfangs auf Grund der damals schwierigen Filtration des fein verteilten Metalles. Dabei zeigte sich bald der Vorteil, daß man mit weniger Nickel auskam. Wie ich aus hinterlassenen Aufzeichnungen, die mir Frau Martha Normann in entgegenkommender Weise zur Verfügung stellte, ersehe, gelang es Normann nach seiner Rückkehr von England, seinen Onkel Wilhelm Siveke zur Einrichtung einer Härtungsanlage von etwa 10t Wochenleistung zu bewegen. Er ließ eine Anzahl verschiedener Apparatemodelle bauen und stellte u. a. fest, daß die Einwirkung von Wasserstoff unter Druck vorteilhaft ist. Im Frühjahr 1908 reiste er wiederum nach Warrington, um die dortige Anlage im Hinblick auf die inzwischen in Herford gefundenen neuen Gesichtspunkte umzugestalten und gleichzeitig, um den an Kaysers Stelle getretenen Betriebsleiter Fox kennenzulernen. Im Sommer konstruierte und baute er dann in Herford eine Versuchsanlage nach seinen eigenen Ideen. Sie unterschied sich von der Crosfieldsschen im wesentlichen durch den aufrecht stehenden Härtungsapparat, die Anwendung schwach komprimierten Wasserstoffs und die Wiedergewinnung des Überschusses desselben.

Normann hatte die Freude, festzustellen, daß die getroffenen Änderungen und Neuerungen sich bewährten. Die Herren Crosfields und Fox besichtigten diese Apparatur Ende 1908 und legten sie ihrer in Aussicht genommenen 100t -Anlage zugrunde. Nun handelte es sich darum, für das neue Produkt Abnehmer zu finden. Die Firma Leprince und Siveke trat mit verschiedenen Verbrauchern und auch Händlern in Verbindung, ohne Erfolg zu haben. Die Firma 0verbeck in Dortmund lehnte das gehärtete Fett ab. Die rührige Firma Sudfeldt in Melle war lebhaft interessiert und schloß einen Kaufvertrag ab. Es blieb aber bei dem Bezug von einigen Tonnen. Durch Vermittlung von Sudfeldt besuchte Normann die Seifen- und Kerzenfabrik Siegle in Neuwied, die sich ziemlich ungünstig über ihre Erfahrungen aussprach und auch nur Preise zahlen wollte, die nicht über die Selbstkosten von Leprince & Siveke hinausgingen. Normann berichtet weiter über die charakteristische Antwort eines Seifenfabrikanten in Minden: "Es werden in den letzten Jahren soviel neue Seifenfette angeboten, die sich alle nicht bewähren, daß wir Seifenfabrikanten gegen jedes weitere Neue das allergrößte Mißtrauen haben". Auch die Firmen Homann in Dissen und Meyer in Lippinghausen, die zu den größeren deutschen Margarinefabriken zählten, besuchte Normann und lieferte ihnen Proben gehärteter Fette. Da man aber mit der Art der Verwendung derselben noch keine Erfahrungen hatte, vielleicht auch zu weitgehend gehärtete Fette benutzte, kam ein größerer Bezug nicht zustande.

Das inzwischen in einer Menge von etwa 20t hergestellte gehärtete Fett wurde schließlich anstelle von Talg im eigenen Betrieb auf konsistentes Maschinenfett verarbeitet. Im August 1909 trat Normann aus der Firma Leprince und Siveke aus. Damit kam gleichzeitig deren Härtung zum Erliegen. Später dürfte W. Siveke klar geworden sein, welche großen Möglichkeiten er aus der Hand gegeben hatte. Die ungünstigen Erfahrungen in Bezug auf den Absatz gehärteter Fette konnten aber das Vertrauen der englischen Firma nicht erschüttern. Sie baute vielmehr nicht nur die bereits erwähnte 100t-Anlage, sondern ersetzte auch den mit Leprince & Siveke abgeschlossenen Lizenzvertrag durch den Ankauf des englischen Patentes. Im Frühjahr 1908 bemühten sich gleichzeitig die russische Firma Persitz und die Rotterdamsche Soda- & Chemikalien-Fabrik, deren Inhaber Verwandte in Herford hatten, bei Normann um den Erwerb des Verfahrens. W. Siveke gab seine Zustimmung zu einem Vertragsabschluß mit der russischen Firma, nicht aber mit der holländischen. Leider waren aber die Erfahrungen, die Normann mit erstgenannter Fabrik machte, recht trübe. Ihr Ingenieur, M. Wilbuschewitsch, der Deutschland bereiste, "um technische Neuheiten kennenzulernen", ließ sich in Herford das Verfahren, die Herstellung des Nickel-Kieselgur-Katalysators den dabei angewandten Trockenröster und alle Einzelheiten erklären. Normann besorgte anschließend den Härtungsautoklaven für die russische Fabrik. Die vertraglichen Vereinbarungen in Bezug auf die Entschädigung Normanns wurden aber nicht nur gebrochen, sondern Wilbuschewitsch benutzte die vertraulich erworbenen Kenntnisse zu eigenen Patentanmeldungen, teilweise unter Verwendung der von Freysoldt bereits 1901 beschriebenen "dissiparischen" Arbeitsmethode. Die natürlich von Normanns Patent abhängigen Verfahren verkaufte Wilbuschewitsch 1911 für eine Million Mark an die Bremen-Besigheimer Ölfabriken. Über diesen, heute kaum noch verständlichen Vorgang hat sich Normann stets mit begreiflicher Entrüstung geäußert.

Die in der Folgezeit eingeleiteten Patentprozesse endeten schließlich damit, daß der holländische Jurgens-Konzern, der das Normannsche Verfahren von Crosfields gekauft hatte, die Bremen-Besigheimer Ölfabriken erwarb. Dieser Konzern, der die Margarine-Fabrikation in großem Umfang betrieb, gründete auf deutschem Boden, in Emmerich, 1911 die Ölwerke Germania und unterstellte sie der wissenschaftlichen Leitung Normanns. Sie härteten bereits vor dem Kriege 100t Fett pro Tag. Die Bremen-Besigheimer Ölfabriken hatten 1912 mit ausländischen Kapitalisten zusammen die De-No-Fa in Friedrichstadt in Norwegen ins Leben gerufen. Gleichzeitig erfuhr die Erzeugung von Wasserstoff, die auch für die Luftschiffahrt des Grafen Zeppelin von großer Bedeutung war, eine industrielle Vervollkommnung. Der ständig wachsende Erfolg der Fetthärtung rief eine große Zahl von Erfindern auf den Plan, die sich z. T. mit der Apparatur, besonders aber mit dem Katalysator der Fetthärtung beschäftigten. Die Frage, ob Nickeloxyd (das schon Ipatieff zur Hydrierung organischer Verbindungen benutzt hatte), Nickelkarbonat usw. ohne. Entstehung von metallischem Nickel als Katalysator wirken, führte zu unerquicklichen, viel Arbeitskraft und kostbare Zeit in Anspruch nehmenden Streitigkeiten, bei denen aber Normann obsiegte. Die Ansicht seines besonders hervorgetretenen Gegners Erdmann, daß Nickeloxyd oder das hypothetische Nickelsuboxyd die Katalysatoren seien, konnte er mit Erfolg widerlegen. Auch Nickelkarbonat, von Fuchs-Granichstätten4) eingeführt, sowie das von Wimmer - Higgins5) vorgeschlagene Nickelformiat wirken gIeichfalls nur durch das in Freiheit gesetzte Metall Nickel.

Wenn diese Verbindungen auch durch die Reduktion in Öl in der Technik eine Bedeutung erlangten und besonders das Formiat sich heute großer Beliebtheit erfreut, so handelt es sieh doch nur um Variationen des Katalysators und der Apparatur, durch die an den Grundzügen des Normannschen Verfahrens nichts geändert wird. Sie fallen alle unter den sehr weit gefaßten Patentanspruch des DRP 141029, der die Hydrierung von Fettprodukten mit Wasserstoff bei Gegenwart feinverteilter Metalle unter Schutz stellte. Alle Verfahren benutzen das von Normann angegebene Dreiphasen-System. Auch wenn man nicht Wasserstoff in Fette einrührt, sondern letztere verspritzt, wird es verwandt. Es ist daher abwegig, drei Verfahren (Normann, Erdmann und Wilbuschewitsch) nebeneinander zu stellen. Die neuzeitliche Fetthärtung arbeitet auch heute noch, trotz mehrerer hundert Patente, im Wesentlichen nach Normanns Angaben. Wer sich über die geschichtliche Entwicklung der Fetthärtung unterrichten will, sei auf die bereits erwähnte Schilderung Normanns in dieser Zeitschrift verwiesen6).

Heute ist jedem mit Fragen der Fettchemie, und zwar sowohl von dem Standpunkt der Ernährung, als auch der technischen Anwendung, in Berührung kommenden Fachmann die Bedeutung der Fetthärtung bekannt. Das anfängliche Mißtrauen ist auf allen Gebieten verschwunden. Die Seifenindustrie verwendet gehärtete Fette und Fettsäuren zur Herstellung konsistenter und haltbarer Seifen, die Einwände zu geringer Schaumwirkung sind widerlegt. Aber auch auf dem Ernährungsgebiet ist es das Verdienst Normanns, bahnbrechend gewirkt zu haben. Von ihm stammt der Vorschlag, gehärtete Fette in der Margarine zu verkirnen und somit flüssige Fette streichbar zu machen oder schlecht genießbare flüssige Fette der Ernährung zuzuführen. Schon 1909 regte er bei zwei westfälischen Fabriken an, gehärtete Fette der Margarine beizumischen. Vom Baumwollsamenöl gelangte man zum Walöl. Daß gut raffinierte Fette weniger Nickel enthalten als manche natürliche Nahrungsmittel, habe ich 1927 mit M. Keller bewiesen7). An der Bekömmlichkeit der mit gehärtetem Fett hergestellten Margarine wird heute nicht mehr gezweifelt. Aber zu jener Zeit mußte das Vorurteil "chemisch behandelter" Fette, zumal wenn es sich um Wal-"Tran" handelte, erst überwunden werden.

So kam es, daß die eigentliche Geburtsstunde der Verwendung gehärteter Fette in der Margarine erst spät bekannt wurde. Heute liegt sie genau 30 Jahre zurück! Da Walöl ohne Härtung in der Margarinefabrikation nicht verwendbar ist, muß Normann im Hinblick auf den Walfang - und besonders den deutschen - ein großes Verdienst zuerkannt werden. Daß außerdem während des Weltkrieges gerade die Fetthärtung bei der Veredlung von flüssigen Fetten eine große Rolle spielte, ist bekannt. Gehärtet wurden im Kriege Walöl, Fischöle, Rüböl, Leinöl, Rapskuchenöl und viele andere, sonst nicht genußfähigen Fette. Wurde doch in den letzten Kriegsjahren ein Drittel der gesamten Nahrungsfette gehärtet, womit man die verfügbaren Mengen um die Hälfte steigerte! Das Verfahren Normanns in seiner umfassenden Auswirkung für industrielle und zur Ernährung bestimmte Fette wird nach menschlichem Ermessen auch für die Zukunft ein Grundpfeiler der Fettverarbeitung bleiben.

Normanns Arbeiten erschöpfen sich aber keineswegs nur in der Fetthärtung und deren technischer Gestaltung. Er besaß vielmehr eine ausgesprochene Neigung zur Forschung, auch ohne Rücksieht auf praktische Anwendung. Es ist kaum zu bezweifeln, daß dieser Mann, wenn man ihm ein Forschungsinstitut mit einer genügenden Anzahl Mitarbeiter und neuzeitlichen Hilfsmitteln zur Verfügung gestellt hätte, auch auf anderen Gebieten Bedeutendes geleistet hätte. Wie vielseitig seine Interessen waren, möge aus einer kurzen Zusammenstellung seiner verschiedenen Veröffentlichungen hervorgehen. In seiner ersten Veröffentlichung behandelte Normann unter Nachprüfung des DRP 78748 die Einwirkung unterchloriger Säure auf aromatische Amine8). Nur bei ß-Naphthylamin und seinen Derivaten konnten, den Angaben - des Patentes entsprechend, Azine - nachgewiesen werden. Bei den Abkömmlingen des Anilins handelte es sich in Wirklichkeit um Azoverbindungen. Nach einer kürzeren Untersuchung über Kupferalkalizellulose9) beginnt dann eine stattliche Reihe von Veröffentlichungen Normanns auf dem Fettgebiet. Zunächst sei der die Fragen der Fetthärtung behandelnde Teil derselben zusammengestellt:

Wirkt Osmiumdioxyd als Fetthärtungskatalysator? (mit F. Schick), Arch. Pharmaz. 252, 208 [1914].

Zur Kenntnis der katalytischen Wasserstoffanlagerung an ungesättigte Verbindungen. Nachweis von metallischem Nickel bei der Ölhärtung unter Anwendung von Nickeloxyd und anderen Nickelverbindungen. (mit W. Pungs), Chemiker-Ztg. 39, 29, 41 [1915].

Nickelborat als Fetthärtungskatalysator. Seifensieder-Ztg. 42, 657 [1915]

Katalytische Wasserstoffanlagerung an ungesättigte Verbindungen. Chemiker-Ztg. 39, 577 [1915].

Beitrage zur Kenntnis der Fetthärtung. Chemiker-Ztg. 40, 381 [1916].

Vergleichende Versuche über Fetthärtung unter Anwendung von Nickelmetall und von Nickeloxyden. Chemiker-Ztg. 40, 757 [1916].

Die katalytische Fetthärtung. Seifensieder-Ztg. 43, 804 [1916].

Über die Bestimmung des Glycerins in gehärteten Fetten. (mit E. Hugel), Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 23 45 [1916].

Zur Analyse gehärteter Öle. (mit E. Hugel), Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 23, 131 [1916].

Zur katalytischen Wasserstoffanlagerung. Einfluß des Sauerstoffs auf den Katalysator. Ber. dtsch. chem. Ges. 55, 2193 [1921].

Katalytische Wasserstoffabspaltung. Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 30, 3 [1923].

Zur Härtung oxydierter Öle. Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 36, 81 [1929].

Ölhärtung bei niedriger Temperatur. Chem. Umschau, Fette, Öle, Wachse, Harze 38, 289 [1931].

Nickelcarbonyl bei der Fetthärtung. Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 39, 126 [1932].

Zur Herstellung von Nickel-Kieselgur-Katalysatoren. Fette u. Seifen 43, 133 [1936].

Zur Entstehung der Fetthärtung. Chemiker-Ztg. 61, 20 [1937].

Über einige Probleme der Fetthärtung. Fette u. Seifen 44, 330 [1937].

Die Härtung von Walöl und die Verwendung von gehärtetem Walöl in der Margarineherstellung. Fette u. Seifen 45, 73 [1938].

Auch die Fettanalyse hat W. Normann mit wertvollen Untersuchungen bereichert. Hier kommen seine Experimentierkunst und seine kritische Beobachtungsgabe voll zur Geltung. Von physikalischen Methoden bearbeitete er die Molekulargewichtsbestimmung 10), das spezifische ewicht der Fette11), die Konsistenzmessung von Maschinenfetten12), die er schon früher auf ihr chemisches Verhalten prüfte13), die Viskositätsmessung von Ölen14) und die Schmelzausdehnung in einem besonders konstruierten Dilatometer14). Mehrere Arbeiten beschreiben die Wasserbestimmung in Fetten, Fettsäuren und Glycerin15) sowie andere Fragen, die sich aus der Praxis ergaben, wie die Bestimmung von Kohlenwasserstoffen in Fetten16), die Untersuchung extrahierter Fette17) oder von Bleicherden18). Auch einzelne Fette19) machte Normann zum Gegenstand einer näheren Prüfung, zum Teil im Auftrage des Kriegsausschusses für Öle und Fette, den er mit seinem wertvollen Rat tatkräftig unterstützte.

Von bleibendem Wert sind die Untersuchungen über die Acetylzahl- bzw. Hydroxylzahl-Bestimmung20). Noch zu Anfang dieses Jahres sandte Normann eine Studie über die Jodzahl-Bestimmung ein, die in diesem Heft abgedruckt ist. Zwei Patente behandeln die Umesterung der Fette, insbesondere durch Einführung niedrigmolekularer Fettsäuren in Fette hohen Schmelzpunktes (DRP 407 180, 417 215). Sie sind für spätere Bearbeiter richtunggebend geworden. Apparative Fragen von Laboratoriumsapparaten bis zu großtechnischen Anlagen haben stets lebhaft beschäftigt. Auch darüber liegt eine Anzahl von Veröffentlichungen vor21). Sie sind gekennzeichnet durch das Bestreben, mit einfachen Hilfsmitteln ein Höchstmaß von Wirkung, zu erzielen. Man prüfe z. B. die einfache und doch höchst zweckmäßige Rührvorrichtung Normanns für Reaktionen von Gasen mit Flüssigkeiten22); sie bewährt sich vorzüglich.

Im letzten Jahrzehnt, gleichsam als Abschluß seiner Erfindertätigkeit, erreichte Normann noch einmal einen Höhepunkt seines Schaffens. Und wieder war es die katalytische Hydrierung, die als Arbeitsmethode diente, und zwar zur Hochdruckhydrierung von Fettsäuren und Fetten zwecks Gewinnung der Fettalkohole. Verschiedene Bearbeiter haben dieses Problem unabhängig voneinander zur Lösung gebracht. Normann, mit der Erfahrung von Jahrzehnten ausgerüstet, veröffentlichte als erster23) eine scharfsinnige Untersuchung "Über die katalytische Reduktion der Carboxylgruppe". Es schmälert seine Verdienste nicht, daß ihm unbekannte, zwar früher unter Patentschutz gestellte, aber erst später ausgelegte Verfahren den gleichen Gegenstand behandeln. Neidlos hat Normann auch das Verdienst W. Schrauth's, die erste großtechnische Durchführung der Hochdruckhydrierung betreffend, anerkannt und ist mit ihm in einen freundschaftlichen Gedankenaustausch eingetreten24). Die Ergebnisse Normann's sind in einer Anzahl von Patenten der Böhme Fettchemie25) niedergelegt. Sie betreffen die Hochdruckhydrierung mit metallischem Kupfer oder Kupfercarbonat in verschiedenen Ausführungsarten. Die Bedeutung der Fettalkohole als Ausgangsstoffe der sulfonierten Waschmittel ist hinreichend bekannt. Zur theoretischen Deutung der Alkoholbildung aus Estern nimmt Normann die primäre Entstehung eines Halbacetals durch Wasserstoffanlagerung an: R·COO·R1+ H2 = R·CH·(OH)·0·R1, das nunmehr in zwei Richtungen weiter zu reagieren vermag. Einmal kann bei weiterer Reduktion unter Wasserabspaltung der Äther R·CH2·O·R1 entstehen, der in den entsprechenden Alkohol und einen Kohlenwasserstoff zerfällt. Oder es wird das Halbacetal ohne Wasserabspaltung in zwei Alkohole zerlegt: R·CH·(OH)·0·R1+H2 = R·CH2OH+R1OH. Schließlich ist an die Aufspaltung des Esters in Kohlenwaserstoff und freie Fettsäure zu denken, die dann zum Alkohol reduziert wird: R·COO·R1+H2 = R·COOH+R1·H. Die zu erwartenden Spaltstücke hat Normann isolieren oder indirekt nachweisen können. So entsteht aus Glyceriden Propylalkohol. Die Alkoholbildung steht aber bei der technischen Durchführung der Hochdruckhydrierung durchaus im Vordergrund.

Wie wir sehen, hat die wissenschaftliche und technische Arbeit Normanns reiche Früchte getragen. Sein Lebensbild wäre aber unvollständig, wollte man nicht auch der menschlichen Eigenschaften gedenken. Gerade und aufrecht in seiner Gesinnung, war Normann von einer außergewöhnlichen Bescheidenheit. Seine sachliche, kritische Art legte an sich selbst den gleichen strengen Maßstab wie an die Leistungen anderer. Seine Pläne verfolgte er mit zäher Energie und verteidigte den einmal eingenommenen wissenschaftlichen Standpunkt oft mit einer, dem Westfalen eigenen Hartnäckigkeit. Die mit peinlichster Genauigkeit durchgeführten Arbeiten spiegeln die Zuverlässigkeit seines Charakters wieder. Im Grunde war Normann mehr Forscher und Wissenschaftler als Techniker, wenn er auch beide Eigenschaften in glücklicher Weise verband. Trotz vieler Enttäuschungen und der Mißgunst des Schicksals bewahrte er sich einen, im engeren Kreise sich offenbarenden liebenswürdigen Humor. Seit 1916 in glücklicher Ehe mit Martha Uflerbäumer verheiratet, die ihm eine treue und verständnisvolle Lebensgefährtin war und dem schon in reifen Jahren stehenden Manne einen Sohn schenkte, suchte und fand er geistige Entspannung und Erholung im Schoß der Familie.

Der Fettforschung galt Normanns ganzes Interesse. Im Verein Deutscher Chemiker gründete und leitete er die Fachgruppe Fettchemie. Als die Deutsche Gesellschaft für Fettforschung zusammentrat, war es selbstverständlich, daß Normann in den Vorstandsrat berufen wurde. Ihre sämtlichen Tagungen besuchte er und gehörte auch der Delegation. an, die im Rahmen der Internationalen Kommission zum Studium der Fettstoffe die deutschen Interessen vertrat. Unterstützt durch das weitblickende Entgegenkommen seiner Firma, der Böhme Fettchemie G.m.b.H., konnte Normann an den internationalen Sitzungen in Luzern, Paris und Rom teilnehmen und oft mit seinem erfahrenen Rat fördernd eingreifen. Die deutsche Fettchemie hat, am gleichen Maitage dieses Jahres, noch einen zweiten Forscher von Ruf, Walther Schrauth, verloren. H.Bertsch gedenkt seiner in dieser Zeitschrift an anderer Stelle. Gerade heute, im Zeichen des Kampfes um die Rohstoff-Freiheit und leider auch des Nachwuchsmangels, trifft uns und auch die Allgemeinheit der Ausfall solcher Könner besonders schmerzlich. Auch wenn wir die Reihen dichter schließen, mit dem Entschluß zu unermüdlichem weiteren Schaffen, müssen wir eindringlich und immer wieder an die Verantwortlichen die Mahnung richten, der noch viel zu wenig beachteten Fettforschung die Wege zu ebnen.

Ohne Forschung kein Erfolg! Was sie erreichen kann, zeigt das Lebenswerk der beiden Männer, die uns nun für immer verlassen haben. Sie sollen uns ein Beispiel sein, dem unbeirrt nachzufolgen, wir die Pflicht haben, zum Besten unseres Volkes und zum Ruhm deutscher Wissenschaft und Technik! Der Name Wilhelm Normann ist mit der Fettchemie untrennbar verbunden. Darüber hinaus werden seine Freunde und wird die DGF, Treue um Treue gebend, des genialen Erfinders und des charaktervollen Menschen stets in Dankbarkeit gedenken.

H.P. Kaufmann

1) Siehe z. B. H. Stadlinger, Chemiker-Ztg. 63, 8-9 [1939]
2) Gehalten am 22. Xl. 1937 in der Ortsgruppe Chemnitz des V. d. Ch. Diese Angaben decken sich fast wörtlich mit den Aufzeichnungen des Laboratoriumsjournals Normanns ans der damaligen Zeit (27. u. 28. Il. 1901), in das ich Einsicht nehmen konnte.
3) Chem. Ztg. 61, 20, 1937; Fette u. Seifen 45, 73 [1938)
4) Engl. Patent 11542
5) DRP 312 668
6) Fette u. Seifen 45, 73 [1938]
7) H.P.Kaufmann, Studien auf dem Fettgebiet. Verlag Chemie, Berlin 1935, S. 192
8) Veröffentlicht mit W. Meigen in den Ber. dtsch. chern. Ges. 33, 2711 [1900); vgl. Diss. Normann, Freiburg 1900
9) Chemiker-Ztg. 30, 584 [1906)
10) Chemiker-Ztg. 31, 211 [1907]
11) Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 38, 17, 22 [1931]; 56, 297 [1932]
12) Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 32, 115 [1925]
13) Chem. Rev. Fett- u. Harz-Ind. 16, 99 [1909]
14) Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 43, 9 [1936)
15) Z. angew. Chem, 38, 380, 592 [1925]; Z. dtsch. Öl- u. Fett-Ind. 45, 261 [1925]
16) Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 26, [1919]; mit E. Hugel
17) Seifensieder-Ztg. 43, 456 [1916] mit E. Hugel
18) Seifensieder-Ztg. 52, 125 [1925) mit F. Piekenbrock
19) Chinesisches Holzöl. (Chemiker-Ztg. 31 188 [1907]); Öl des Hartriegels. (Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 25, 49 [1918])
20) Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 19, 205 [ 1912] u. 40, 194 [1933) mit E. Schildknecht.
21) Chemiker-Zt. 45, 712, 975 [1921]; Chem. Apparatur 12, 2, 15, 21, 34, 42, 54 63 [1925]; Chem. Umschau Fette, Öle, Wachse, Harze 32, 269 [1926); Chemiker-Ztg. 54, 744, 896 [1930)
22) Fette u. Seifen 45, 664 [1938)
23) Z. angew. Chem. 44, 714 [1931]; versiegeltes Manuskript vom 27.10.1930
24) Z. angew. Chem. 44, 923 [1931). 25) DRP 594481 [1930), mit H. Prückner; 639527 [1930]; 642518 [1931); 648510 [1931); 662731 [1930]